Damascus, VA (469,3 Meilen)

Kincora Hostel

TAG 41: 03/21/15, 22:43 PM
Was Philadelphiakäse und halbwegs frisches Brot aus dem Walmart für ein grandioses Frühstück abgeben, ist kaum zu denken. Wir waren auch sehr froh, noch morgens die Entscheidung, nicht im Bunkroom, sondern im Zelt im Garten geschlafen zu haben, nicht zu bereuen. Das Wetter hielt sich den ganzen Tag prächtig, was uns bei dem späten Start aus Erwin, TN sehr gelegen kam und uns abends sogar zum erneuten Zelten samt Lagerfeuer verführte – am Nachmittag wurden wir mit einer Trailmagic aus Kaffee, Eistee, Brownies und Bananabread für den zahnärztlichen Stress entlohnt. Nichtsdestotrotz kühlte es nachts so weit aus, dass Wasserreste in unserem Geschirr froren. Selbiges erlebten wir zwei Tage später am eigenen Körper, als bitterkalter Wind die vom Regen klamme Kleidung in knirschende Eisschichten verwandelte. Eigentlich dachten wir, wir wären durch damit, doch es gab auch eine Wiederbegegnung mit dem allseits gefürchteten „Black Ice“, das gut passierbare Wege rutschgefährlich macht. Daher sparten wir uns auch die Übernachtung in dem höchsten Shelter, machten dort nur Mittagspause und entschieden uns eher für das wohl größte Shelter auf dem AT, welches aus einer alten Scheune besteht. Die Lücken in den zusammengenagelten Brettern machten jedoch auch diese Nacht zu einer der unbequemsten in letzter Zeit, da sogar Wolken und Nebel sichtbar ihren Weg durch unsere Schlafstätte fanden. So machten wir uns warme Gedanken mit dem Entschluss, doch nicht nach Damascus, VA durch zu gehen, sondern vorher noch einen Zwischenstopp in Hampton, TN einzulegen. Abgesehen davon, dass wir unsere Essensvorräte bedrohlich geplündert haben, tut ein richtiges Bett und eine Dusche alle paar Tage einfach gut. Der niedrige Standard, der im Kincora Hostel herrscht, wird offenbar durch den extrem niedrigen Preis von fünf Dollar pro Nacht und Nase gerechtfertigt, dafür muss man jedoch die Gesellschaft von streunenden Katzen im Schlaf- und Wohnbereich in Kauf nehmen. Stretch, ein Israeli, der schon seit Wochen Teil unserer Wanderung ist und uns immer wieder begegnet, verbringt als einziger weiterer Wanderer die Nacht im Hostel und teilte mit uns sowohl unseren Ärger, erst morgen früh einkaufen zu können (wir hatten uns seit Tagen auf echtes Essen statt dehydrierten Nudeln gefreut) als auch unser improvisiertes, zusammengewürfeltes und selbstzubereitetes Festmahl.

Überglücklich, die Berge mit über 6000 Fuß hinter uns und eine weitaus angenehmer zu wandernde Sektion vor uns zu wissen, passt sich auch das Wetter an und dürfte sich in naher Zukunft freundlich geben, wie uns ein Southbounder eines Mittags prophezeite. Kommen wir zu unserem Plan der nächsten Tage: Hoffentlich können wir ein paar Meilen überspringen, um so schnell wie möglich in Damascus, VA anzukommen. Dort wollen wir uns einen Zeroday gönnen und dann schauen, wie’s weitergeht.

Damascus Branch Library

TAG 46: 03/26/15, 1:55 PM

Es scheint, als wolle die Gegend alle Missstaende auf einen Schlag wiedergutmachen, denn schon die ersten Meilen nach Kincora waren wunderschoen und entschaedigten schon im Voraus fuer den brutalen Aufstieg, der nach einem Ortsbesuch im Tal unweigerlich folgt. Zum ersten Mal folgte der Trail fuer laengere Zeit einem Fluss und Wetter und sonntaegliche Massen an Besuchern trugen zu einem richtigen Urlaubsfeeling bei. Nach diesem besagten Aufstieg durch Mischbewaldung aus Kiefer und Eichen wurde es allerdings wieder gewohnt eintoenig, lange Zeit bewegten wir uns lediglich auf den Bergruecken – eigentlich bis nach Damascus hinein. Dadurch blieb die Wanderung jedoch auch relativ „smooth“, wie die coolen People zu sagen pflegen.
Wir ueberschritten hier auch bereits kurz vorher unsere vierte Staatengrenze. Virginia ist einer der 14 Bundesstaaten, die der Trail mit am laengsten durchquert.

Nach einer Nacht in „The Place“ (Methodisten-Haus fuer Hiker, 6 Dollar pro Nacht im Bunkbed) hier in Damascus, der im Uebrigen zweiten Stadt, durch die der Trail direkt fuehrt, und im Mai Schauplatz der Trail Days ist, wollen wir uns wieder auf den Weg ins Ungewisse machen – denn wir haben tatsaechlich nicht so wirklich eine Ahnung, wie’s weitergeht. Die naechste, groessere Stadt scheint wohl Marion zu sein, danach dann irgendwann Pearisburg, doch Genaueres bleibt uns noch unklar.Ausserdem geht es wieder ca. 3000ft aufwaerts, da die Orte einerseits leider in der Regel im Tal angesiedelt sind und die Berge im so oft gepriesenen „flachen“ Virginia doch immer noch hoch sind. Zum vorausgesagten naechsten Wintereinbruch am Wochenende befinden wir uns also wieder passend auf ca. 5000 Fuss Hoehe.. Aber noch leisten unsere Winterschlafsaecke uns gute Dienste, auch werden die kalten Tage weniger.
Leider lockt im Moment kein besonderes Ziel in Rufweite, die kleineren Orte sind oft 3 bis 5 Meilen vom Trail entfernt. Um nur der Kaelte, aber nicht dem nagenden Hunger ausgesetzt zu sein, haben wir uns mit einigen Kalorienbomben ausgestattet, die zu verzehren die Highlights der naechsten Tage sind. Unsere stetig wachsenden Muskeln und Meilen brauchen Futter.

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