Hiawassee, GA (52,9 Meilen)

Die Erlebnisse von Tag 4, 5 und 6.

Low Gap Shelter

43,2 MI
TAG 4: 02/13/15, 6:55 P.M.
VON TOTEN MÄUSEN
“Ich stinke”, schoss es mir mit Schweiß auf der Stirn, von einem bösen Traum erwachend, in den Kopf. Dass dies auch von der am anderen Ende des Zimmers in einer inhumanen und cartoontypischen Falle verendeten und nun verwesenden Maus herrühren konnte, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Selbst in Neel’s Gap wurde es nicht richtig warm. Nach den Horrormeldungen über zweistellige Minusgrade erwogen wir heldenmutig zwanzig Meilen bis zum Unicoi Gap durchzuwandern, wo es eine Möglichkeit gab, zur nächsten Stadt – Hiawassee – zu trampen. Dies erschien uns als einzig gute Option, um nicht als Stockfisch zu erwachen. Unser Survivaltraining war noch nicht so weit gediehen. Die erstaunten und überraschten Reaktionen der Hotelgäste und Ladenbesitzer, die im Ausruf “You’re a beast!” gipfelten, ließen unsern Wagemut sinken. Da wir von Mäusen genug hatten und die Absteige nicht gerade zum Verweilen einlud, machten wir uns schlussendlich wild entschlossen und mit Big Macs vor unserem geistigen Auge auf den Weg zu besagtem Gap.

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Dass wir dort zumindest heute noch nicht ankommen sollten, wollten wir uns nicht eingestehen. Doch so sollte es sein, denn nun verbringen wir eine weitere Nacht im Zelt. Wir sind guter Dinge, diese auch zu überleben, da vor allem der Wind nachgelassen hat. Auch die Kälte scheint sich Wollpantoffeln angezogen zu haben und wenigstens ein bisschen zurückgegangen. Man soll die Nacht nicht vor dem Morgen loben, wie es so schön heißt. Morgen steht Hiawassee dann ganz oben auf der Liste und die 7 verbleibenden Meilen dürften durchaus zu schaffen sein.

Hiwassee Budget Inn

52,9 MI
TAG 6: 02/15/15, 9:16 A.M.
#NEPTUNE
Die optische Ergänzung zu einer beinah arktischen Nacht bildeten Frostschichten auf unseren Schlafsäcke. Wir wollen gar nicht so genau wissen, wie kalt es war. Ein Hiker schaffte es, ein Feuer zu machen, sodass wir uns zwischen Zeltabbau und Frühstücksvorbereitung immer wieder aufwärmen konnten, damit die Schmerzen in den Fingerspitzen langsam verschwanden. Wir waren sehr motiviert los zu gehen, denn eine Nacht in Hiawassee winkte. Auf dem Weg dorthin hatten wir genügend Zeit, um uns zu überlegen, ob wir bei McDonald’s anfangen und bei Subway aufhören – oder umgekehrt. Wir waren nicht nur verfroren, sondern auch sehr hungrig, da unsere einzige Wegzehrung innerhalb der neun Meilen aus einem Snickers und einem Keks bestanden – es schien, als hätten wir uns mit der Zeit etwas verschätzt, da wir erst gegen drei Uhr nachmittags an der den Trail schneidenden Straße ankamen. Unsere anfänglich erfolglosen Hitchhikeversuche endeten in dem Halten eines Jeeps, der gerade aus der Richtung kam, in die wir wollten. Mit Blick auf den Revolver an seinem Halfter und dem Gewehr, der Angel und den unzähligen Messern in seinem Wagen wurde uns zwar etwas mulmig, doch unsere Zweifel wurden bald zerstreut. Nachdem wir gemeinsam McDonald’s besucht und unseren ersten Hunger befriedigt hatten, fuhr er uns nicht nur zu unserem Motel sondern überließ uns auch noch den Großteil seiner Einkäufe, die uns mit vielen Nüssen und Trockennahrung sehr gelegen kamen.

Eigentlich sieht das Wetter hier ja gar nicht so schlecht aus.

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Leider macht uns aktuell das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Jeder entgegenkommende Wanderer und auch unser Wohltäter von gestern warnte uns vor dem heraufziehenden Schneewetter, welches vor allem heute Nacht jedes Zelten vermiesen würde. So sind wir fürs Erste an diese weitläufige Ansammlung von Häusern und Fressbuden gekettet, bis uns Sturm #Neptune passieren lässt. Es fällt uns noch immer schwer, zwischen wirklicher Gefahr und dramatischer Übertreibung der amerikanischen Wettervorhersage zu unterscheiden – lange bleiben mögen wir nämlich nicht, wie uns nicht nur ein Blick auf unsere dünner werdenden Geldsäckel sondern auch auf die ungenutzt verstreichenden Tage bestätigt.

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2 thoughts on Hiawassee, GA (52,9 Meilen)

  1. Hi,
    wünsche Euch viel Erfolg.
    aber was hat Euch bewogen so früh im Jahr zu starten? Ihr seid mit dem Trail ja fertig wenn es grade mal Frühling wird.
    happy hiking
    tinman, AT2002

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    1. Naja, 5 Monate halten wir zwar für realistisch, ein Puffer ist aber (wir stecken aktuell ja zu alledem auch noch fest) ganz nett. Hauptgrund ist jedoch eigentlich Birgits Beruf, da sie nur zum Schulhalbjahr den Dienst pausieren konnte. So haben wir theoretisch Zeit, bis die Sommerferien vorbei sind.

      Reply

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